Volkswagen: erster Energie-Großspeicher am Netz
So will VW unser Stromnetz stabilisieren

In Salzgitter ist der erste Energie-Großspeicher von Volkswagen ans Netz gegangen. Das Power Center der Energietochter Elli hat eine Speicherkapazität von 40 Megawattstunden. Warum Stromspeicher in Zukunft immer wichtiger werden!
Bild: Elli
- Raphael Schuderer
Volkswagen drückt beim Thema Energie aufs Tempo: In Salzgitter ist der erste Energie-Großspeicher des Konzerns ans Netz gegangen. Die Energietochter Elli hat das sogenannte Power Center nach mehrmonatiger Bauphase erfolgreich in Betrieb genommen. 20 Megawatt Leistung, 40 Megawattstunden Speicherkapazität – das entspricht rund 500 E-Auto-Akkus mit jeweils 80 kWh. Damit legt Elli den Grundstein für den Einstieg in den Energiespeicher- und Energiehandelsmarkt.
Stromspeicher sollen Dunkelphasen ausgleichen
Parallel starten Tests für den Handel an der europäischen Strombörse EPEX. Für den Konzern ist das Projekt ein zentraler Baustein der E-Mobilitätsstrategie. Denn klar ist: Der Hochlauf der Elektromobilität braucht nicht nur Fahrzeuge und Batterien, sondern auch eine stabile und flexible Energieinfrastruktur. Weitere Speicherprojekte sind bereits in Planung.
Die Idee dahinter ist einfach: Erneuerbare Energie soll genau dann verfügbar sein, wenn sie gebraucht wird. Großspeicher nehmen Strom bei Überschuss auf und geben ihn in sogenannten Dunkelphasen wieder ab – also in Zeiträumen, in denen Wind- und Solarkraftwerke wenig oder keinen Strom liefern. Aktuell muss in solchen Phasen Energie aus dem Ausland zugekauft oder Gaskraftwerke hochgefahren werden. Ein Netz von Großspeichern könnte Überschüsse aufnehmen und in Mangelsituationen gezielt wieder ins Stromnetz einspeisen.
VW-CEO sieht Wachstumschancen
Die technologische Basis liefert die konzerneigene Batterietochter PowerCo. Mit ihrem Geschäftsbereich Energy Storage Solutions entwickelt und produziert sie industrielle Großspeicherlösungen auf Basis des Unified Cell Formats – der konzernweiten Standardzelle für die Elektromobilität. Gleichzeitig dient sie als Plattform für stationäre Speicheranwendungen. Das Elli Power Center besteht aus 13 Speichercontainern, randvoll gepackt mit Batteriezellen.

Im Inneren der Container sind Hunderte einzelne Batteriezellen zusammengeschaltet.
Bild: Marco Prosch/Elli
Oliver Blume, CEO der Volkswagen AG: "Für uns sind Energiespeicher und Energiehandel ein neues strategisches Geschäftsfeld mit Wachstumschancen. Als Volkswagen-Konzern elektrifizieren wir Fahrzeuge und berücksichtigen dabei das gesamte System. Mit der PowerCo stärken wir unsere technologische Souveränität – mit Elli steuern, speichern und handeln wir Energie marktorientiert."
Elli handelt Strom am europäischen Energiemarkt
In Salzgitter entsteht so ein geschlossenes Batterie-Ökosystem: von der Zellfertigung über stationäre Speicher bis zur marktbasierten Vermarktung durch Elli. Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik, erläutert: "Elektrofahrzeuge und nachhaltiger Strom gehören zusammen. Der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert leistungsfähige Möglichkeiten zur Zwischenspeicherung – genau hier setzt unser PowerCenter an." Giovanni Palazzo, CEO von Elli, fügt hinzu: "Das ist der Auftakt für unser Managed Battery Network: eine Plattform, die Großspeicher, perspektivisch Fahrzeugbatterien und weitere Assets intelligent verknüpft."

Energiespeicher wie der in Salzgitter könnten langfristig unser Stromnetz stabilisieren.
Bild: Marco Prosch/Elli
Denn der Großspeicher soll nur der Anfang sein: Statt ausschließlich neue Stromspeicher zu bauen, ließen sich auch bereits vorhandene nutzen – vor allem Elektroautos. Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland, intelligent mit dem Stromnetz vernetzt, könnten enorme Energiemengen speichern und bei Bedarf wieder abgeben.
Die Technik dahinter heißt Vehicle-to-grid (V2G) – also vom Auto ins Netz. Bidirektionales Laden, also der Stromfluss in beide Richtungen, beherrschen schon heute viele Modelle. Wer sein Fahrzeug zur Verfügung stellt, könnte so am Strommarkt teilnehmen und zusätzlich Geld verdienen. Gleichzeitig würde ein stabileres Stromangebot die Preise tendenziell für alle entlasten.
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